Im Juni 1996 war auf Seite 545 des deutschen Tierärzteblattes eine Veranstaltung mit einem völlig neuen Format angekündigt. Zu lesen war dort:
„Studium – was dann?“
Eine Berufsfelderkundung für Studierende und junge Tierärztinnen und Tierärzte.
Fortbildungsveranstaltung der „Fraktion Gesundheit Tiermedizin“ Berlin.
Eben hatte eine medizinische Studienreform das Themenfeld „Berufskunde“ und „Berufsfeldbegehung“ deutlich aufgewertet und diese Jahre waren ein erneuter Höhepunkt berufsständischer Klagen von der Überfüllung des tierärztlichen Berufes.
O-Ton der Presseinformation 4/97 der Bundestierärztekammer: „Tierärzte in Deutschland: Vom Hörsaal ins Arbeitsamt? 1996 hat die Tierärzteschaft einen neuen Höchststand erreicht. Am 31.12.1996 waren 27.786 Tierärztinnen und Tierärzte bei den Kammern gemeldet. (…) Fast ein Drittel der Neuzugänge konnte nicht im „Traumberuf Tierarzt“ unterkommen.“
Der Unwillen über den Ton der standespolitischen Klagelitaneien und das seinerzeit beginnende Räsonieren über den Frauenanteil in der Tiermedizin ließ die Idee aufkommen, etwas dagegen zu tun und dort anzusetzen, wo Berufsfeldentscheidungen getroffen werden bzw. zum Tragen kommen: in den Monaten um das Ausbildungsende herum. Die ganze Breite des tierärztlichen Berufes sollte aus erster Hand dargestellt werden.
Doch dies ist nicht die ganze Erklärung! Es gibt eine weitere und die hat mit dem praktischen Sinn einiger Mitglieder der damaligen „Fraktion Gesundheit Tiermedizin“, einer Kammerfraktion der Delegiertenversammlung der Berliner Tierärztekammer zu tun:
Man stelle sich vor: an abendlichen Treffen sitzt eine bunte Truppe aus sich teils als Linke, als Liberale, als Grün-Bunte, als Tierschützer oder Modernisierer verstehende Tierärztinnen und Tierärzten zusammen und versucht, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Die Diskussion geht in die 12. Runde. Die rhetorischen Stehauf-„Männchen“ haben noch immer nicht alle Einwände vorgebracht, die Diskursfreudigen das Problem noch immer nicht ausdiskutiert, das Tier ist noch immer nicht politisch korrekt geschützt und das Schnitzel harrt noch der ökologisch einwandfreien Panade.
Plötzlich ein Seufzer aus der Ecke, die schon seit Stunden aufgegeben hatte, etwas zu sagen: „Können wir nicht mal was Sinnvolles tun?“.
Namentlich: Corinna Rutsch und Marita Rübbelke – Urgestein der VetsUp-Bewegung – wollten vom Reden zum Handeln kommen und wachten wieder auf, als es um ein Konzept zur Vorstellung der Berufsfelder für diejenigen ging, die vor gerade dieser Entscheidung standen. Und Ihnen ist der Start, die erste Umsetzung und praktische Durchführung zu verdanken.
Am 21. Juni 1996 startete die erste Veranstaltung in Berlin. Der Dekan Klaus Hartung begrüßte, Martin Brumme moderierte, Dagmar Beier – Vizepräsidentin der BTK – umriss die Vielfalt der Berufsfelder. Angelika Blaeschke – später viele Jahre Moderatorin der Veranstaltung – behandelte voll Witz und Elan den öffentlichen Dienst und Holger Martens – später Berliner Dekan und DVG-Präsident – sprach von „der Wissenschaft Katheder“, Tobias Held – seinerzeit bayerischer Tierärztekammer-Vize und später „unser Mann in Dublin“ machte die moderne Nutztierpraxis als Bestandstiermedizin lebendig. Tierärztliche Selbstverwaltung, Institute, Promotionsprobleme, Industrie, Lebensmittelhygiene, Tropenveterinärmedizin, Klein- und Nutztierpraxis ebenso wie Pferdepraxis wurden von den tatsächlichen Akteuren aus eigener Erfahrung dargestellt. Zugleich war damit der Ansatz klar: alle Felder zur Sprache zu bringen und nach und nach auch die kleinen Zweige und Orchideenfächer lebendig zu machen.
Seither ist die Vets-Up-Truppe, die sich aus der Kammerfraktion zur Aufrechterhaltung dieser Veranstaltung gebildet hatte, mit „Studium – was dann?“ durch die ganze Republik gereist und hat in unzähligen Veranstaltungen in den veterinärmedizinischen Universitätsstädten Berlin, München, Gießen, Hannover und Leipzig die ursprüngliche Idee weitergetragen: die ganze Breite des tierärztlichen Berufes erfahrbar zu machen!
Die Referentenliste ist ein „Who is who?“ der deutschen Veterinärmedizin der letzten anderthalb Dekaden. Nur wenige Namen: Der viel zu früh verstorbene Helmut Scheunemann, seinerzeit Präsident von Deutscher Tierärzteschaft und BTK und kenntnisreicher Steuermann tierärztlicher „Wiedervereinigung“, Andreas Briese wurde später niedersächsischer Tierschutzbeauftragter, Hans-Joachim Koch als ein wesentlicher Mitgestalter des europäischen Graduiertensystems, virologische Koryphäen wie Marian Horzinek, die Dekane Brunnberg, Gäbel und Stolle, die Kammerpräsidenten Mantel und Lüdtcke.
Ohne Kooperation und später auch Mitgestaltung durch die Industrie wären diese Aktivitäten allerdings nicht möglich gewesen. Ursprünglich Waltham, dann Bayer Health Care mit dem unvergessenen Dietrich Schehl, später mit Ernst Brenner und alles andere als zuletzt Boehringer Ingelheim in Gestalt von Hubertus Keimer, der sich binnen weniger Monate vom Geldgeber zum Ideengeber, zum Referent, konzeptionellen Denker und Motor von „Studium – was dann?“ – dem heutigen Vet`s Up- entwickelte.
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Dr. Martin-Fritz Brumme mbrumme@its.jnj.com |
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Dr. Angelika Bläschke Fachtierärztin für Lebensmittelhygiene u. öffentliches Veterinärwesen Referatsleiterin Gesundheitlicher Verbraucherschutz / Arzneimittelwesen / Gentechnik bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, Berlin Angelika.Blaeschke@senguv.berlin.de |
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Dr. Marita Rübbelke Tierärztin und Produktspezialistin Labordiagnostik, Gebietsleiterin Ost bei der scil animal care company mkruebbelke@web.de |
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Nina Fischer Tierärztin nina.fischer@versanet.de |
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Hubertus Keimer Dipl. Ing. Agr. und Verkaufsleiter Kleintiere/Pferd bei der Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH Hubertus.keimer@ing. boehringer-ingelheim.com |
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Birgit Schulte Veterinary Affairs Manager bei Hill's Pet Nutrition Birgit_Schulte@colpal.com |